S ommer ohne Fußball. Transfers, Spekulationen und Gerüchte sind die einzigen Highlights der Saisonpause. In Foren und Kommentaren diskutieren Fans Neuverpflichtungen und Verkäufe. Große Namen, persönliche Vorlieben und vermeintlich fundierte Leistungsurteile geben den Ton an. Da steckt viel Romantik drin, dabei laufen Fußball Transfers heute viel nüchterner ab.
Als Fußballtrainer von Schalke 04 verfolgt Ralf Rangnick ein spezielles Konzept: Er will die schnelle Balleroberung mit sofortigem Umschalten auf Angriff. Stürmer die Forechecking beherrschen, Mittelfeldspieler die ständiges Pressing umsetzen und eine Mannschaft die bei Ballgewinn direkt zum Angriff übergeht, sind dafür notwendig. Der Fußballtrainer sucht deswegen einen schnellen Stürmer. Für die Anhänger von Schalke ein Streitthema in den langen Wochen der fußballfreien Zeit. Unzählige Beiträge und Kommentare finden sich im Netz. ResidentEvil schreibt beispielsweise am 14.7. in einem Kommentar zu einem Bericht über die Transferwünsche auf derwesten.de: „Es kann doch nicht sein, dass ein Trainer zu einem Klub kommt und sofort SEIN System durchsetzen will“. Rangnick solle lieber Versuchen das bestehende Personal einzusetzen. Darauf antwortet Saubermann: „Wenn er aber weitere Verstärkungen fordert und diese nicht bekommt ist er fein raus. Dann kann er nämlich darauf hinweisen, dass er ja von Anfang an gesagt hat, dass Schalke weitere Verstärkungen braucht“.
Statistiken zeigen Handlungsfelder
Warum Rangnick nicht weiter auf Publikumsliebling Raul setzt, wieso Huntelaar nicht ausreicht und was eine Verpflichtung von Papiss Demba Cisse bringen solle, wird gefragt. Viel Meinung und Mutmaßung sind dabei. Die Fans vergessen, dass Bundesligafußball heute nur noch wenig mit dem Kick im Amateurbereich zu tun hat. Trainer und Verantwortliche nutzen mittlerweile eine Vielzahl von Daten und Statistiken. Einen guten Überblick der verwendeten Informationen gibt Christoph Biermann in seinem Buch „Die Fußball-Matrix“. Anbieter wie Opta stellen zahlreiche Informationen zum Spiel einzelner Akteure und ganzer Mannschaften bereit. Die Trainer sehen, wie oft ein Spieler passt, wie viele Pässe erfolgreich sind, wie oft sie noch vorne, zu Seite oder nach hinten spielen. Wie oft Flanken geschlagen werden, von welcher Seite sie erfolgreich sind. Wie lange der Ball gehalten wird, wie oft die Spieler den Ball gewinnen oder verlieren. Zweikampfwerte und Zahlen zu Laufwegen und Distanzen ergänzen die Berichte. Anhand dieser Reports gewinnen die Trainer ein ziemlich genaues Bild von dem, was gut läuft und wo Verbesserungen nötig sind.
Daten richtig interpretieren
Richtig interpretiert liefern die Statistiken zusammen mit Trainingseindrücken und taktischen Überlegungen die Grundlage für Transferentscheidungen. Will ich als Trainer schnell spielen, brauche ich Spieler die häufig sprinten können, ballsicher sind und den Ball nur kurz halten. Mit diesen und weiteren Gedanken machen sich Trainer und Manager auf die Suche – sie werten die Leistung der bestehenden Mannschaft aus und arbeiten mögliche Schwachstellen heraus. Rangnick sieht einen solchen Mangel im Sturm, wo der 34-jährige Raul nicht mehr der schnellste ist und Jan Klaas Huntelaar als klassischer Strafraumstürmer weniger für Konter geeignet scheint. Also muss eine Alternative her.
Hilfe bei der Suche
Bei der Suche nach der gewünschten Verstärkung können die Verantwortlichen dabei auf einen weiteren Service von Statistik-Lieferanten zurückgreifen. Unternehmen wie MasterCoach bieten umfassendes Datenmaterial zu Spielern. Sie stellen DVDs mit Spielszenen zusammen, die nicht nur Tore und Vorbereitungen zeigen, sondern neutral die spezifischen Fähigkeiten der Spieler präsentieren. Ergänzt werden die Videos durch statistisches Material zum Spieler und der Mannschaftsleistung. Trainer und Manager können sich so ein umfassendes Bild machen. Das ist wichtig, weil das Mannschaftsspiel unter Umständen die wahre Leistung eines Spielers verschleiern kann. Schlechte Passwerte können beispielsweise aus einer Taktik mit langen Bällen resultieren. Diese kommen naturgemäß seltener beim eigenen Spieler an, erzeugen somit eine höhere Quote an Fehlpässen. Ein genaues Video-Studium hingegen kann belegen, dass ein Spieler dennoch äußerst ballsicher ist.
Wissensvorsprung der Profis
Nur wenige haben einen umfassenden Einblick in das Leistungsvermögen von Spielern und Mannschaften – Trainer und Manager gehören dazu. Nicht nur, weil sie jeden Tag mit den Akteuren arbeiten, sondern weil sie auf fundierte Analysen zurückgreifen können. Gerade bei Fußball Transfers spielen diese Informationen eine immer größere Rolle. Fans müssen sich damit abfinden, dass sie mit ihren persönlichen Erfahrungen – selbst wenn sie jedes Spiel sehen – nicht mithalten können. Die Verantwortlichen wissen auf jeden Fall besser, was sie tun. Jedoch sind detaillierte Berichte und umfassende Statistiken noch lange keine Garantie für den Erfolg eines Transfers. Sie erhöhen nur die Wahrscheinlichkeit für den Königstransfer.
**Bildrechte: Ingo Stoeldt

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[...] und alle Vorbehalte ausräumen wird. Raul und Huntelaar hingegen müssen noch nachweisen, ob sie in Rangnicks System zurecht kommen werden. Besonders der Spanier war auf der vermeintlichen 10er-Position blass und Huntelaar mühte [...]
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